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Zu Fuß durch Europa: Tag 4 - 6

Hier redet keiner von der "Stadt der Liebe"!

Danke Ronan

Imbiss-Inhaber macht mir einen Döner mit Pommes Frites
Imbiss-Inhaber macht mir einen Döner mit Pommes Frites

Von Morgens bis Abends schaute ich mir Paris an. Sie staunten nicht schlecht, als ich sagte, dass ich zu Fuß die Sehenswürdigkeiten abgrasen wollte. Die Gebäude haben sicher einen hohen Stellenwert für viele Menschen, aber ich kann damit nicht so viel anfangen. Ich schaue mir diese gerne an und ich bin mir sicher, da steckt eine Menge Arbeit dahinter, aber mir kommen keine Emotionen hoch. Ich stand vor dem Eiffelturm, das ist etwas, was ich einmal in meinem Leben gemacht haben wollte, aber Tränen liefen mir nicht herunter und in meiner Hose regte sich auch nichts.

 

Die Menschen hier sind sehr vielseitig. Ich habe Obdachlose gesehen, Menschen mit viel Geld und Menschen die sich kleideten, als hätten sie viel Geld, aber aussahen wie Jecken zu Karneval in Köln. Einige Menschen waren im Stress, andere gut gelaunt und eine weinte sich im Park bei ihrer Freundin aus. Einen sehr hilfsbereiten Menschen traf ich im Imbiss im Außenbezirk, nahe Paris. Dieser machte mir einen Döner mit Pommes Frites. Wenn ich mit jemandem über Paris gesprochen habe, wurde immer nur gelacht, wenn die Phrase "Stadt der Liebe" kam.

 

Ich machte mir leichte Sorgen einen Schlafplatz zu finden, da es langsam spät wurde und viele Menschen nicht ansprechbar aussahen und die, die ich angesprochen habe, konnten mir nicht helfen. Und dann sah ich eine Gruppe Teenager, welche mich mit zum Festival in der Nähe nahmen. Ganz Paris feierte das Fest der Musik. Dort traf ich auf Ronan. Er stellte mir seine Freunde vor, wir tranken Bier, tanzten und schlussendlich konnte ich bei ihm schlafen. Ronan selber kam gerade erst von einer langen Reise wieder zurück. Er ist häufig unterwegs und war vielleicht gerade deswegen so hilfsbereit. Bei ihm zuhause konnte ich dann auf einem ausklappbaren Bett schlafen. Vorher machte mir seine  Mutter noch Kaffee und es gab Gemüsebällchen zu essen. Es waren wohl die leckersten Gemüsebällchen die ich je gegessen habe. 

Danke Mathieu

Leckeres Brot vom Bäcker
Leckeres Brot vom Bäcker

Wieder vebrachte ich den ganzen Tag in Paris. Oftmals saß ich auf einer Bank und schaute mir die Menschen an. Ich brauchte auch die ein oder andere Pause, da mein Rucksack auf Dauer schwer war und die Schultern nach einer Weile leicht schmerzen. Es ist eine grandiose Sache für einen Reisenden, dass überall in Paris Wasserspeier aufgebaut sind, manche sogar mit Kohlensäure. Essen bekam ich wieder von einem Imbiss und ein Leib Brot von einem Bäcker. Dieser Bäcker konzentriete sich auf spezielle Brotsorten und Eigenkreationen. Meines war von innen sehr luftig gebacken.

 

Viele Menschen waren auf den Straßen. Schließlich war Freitag und die Menschen begannen Party zu machen und sich in Restaurants und Kneipen zu treffen. Während ich am Nachmittag noch ein Buch – Das Passende Leben von Renno H. Largo – laß, so war nun die Zeit gekommen einen Platz zum Schlafen zu finden. Erst hatte ich noch eine kurze Hose und ein T-Shirt an, sowie die Wanderschuhe, doch ich bemerkte, dass die Leute in diesem Stadteil mich so  einfach nicht mitnehmen wollten. Also zog ich mich um: lange Markenhose, blaues Hemd, Schuhe pasend zum Hemd, Schnürsenkel passend zur Hose, sowie Parfüm. Es galt mich bestmöglich zu verkaufen. 

Mathieu und ich
Mathieu und ich

Alice gab mir ihre Nummer und meinte ich könne möglicherweise am nächsten Tag bei ihr schlafen, doch für diese Nacht fand sie keine Lösung. Langsam wurde es dunkel und das ist der Worst-Case auf der Suche nach einem Schlafplatz. Leicht verzweifelt ging ich auf ein paar Basketball spielende Leute zu. Tatsächlich wurde mir hier geholfen. Mathieu, ein 22 jähriger Student war unter ihnen und bot mir einen Schlafplatz an. Wir gingen dann auch direkt zu ihm. Er wohnt alleine in einem umgebauten Theater. Und auch wenn diese Wohnung klein und zugestellt wirkt, sie passt in das typisch französische Wohnungsbild der Stadt. Nachdem ich etwas für meinen Blog gearbeitet hatte, redeten und „chillten“ wir bei Musik auf seiner Couch.

 

Der Junge hat echt was im Kopf und ich kann mir gut vorstellen, dass er im Filmbereich etwas zu Stande bekommen kann. Vielleicht was gesellschaftskritisches. Seine Wand ist voll mit einer Mindmap über die Wirkung von Medien, Politik und anderen solchen Dingen auf den Menschen. Ich durfte in seinem Bett schlafen, während er auf seiner Couch schlief.

 

Den halben Tag verbrachte ich in seiner Wohnung. Zum einen arbeitete ich an meinem Blog und zum anderen las ich mein Buch weiter. Gut, dass ich noch mein Brot hatte, welches ich im Laufe des Tages mit Mathieus Walnuss-Creme aufaß. Am Nachmittag spielten wir Basketball mit anderen Jungs. Die Lokation war sehr besonders. Unter der Brücke, auf der die Straßenbahn fuhr, war das Feld aufgebaut. Wir spielten ein paar Stunden und einige der Jungs, wie auch Mathieu, hatten echt was auf dem Kasten.

 

Vor dem Deutschland Spiel gegen Schweden gingen wir zurück, duschten und aßen. In einem Lokal mit einem großen Fernseher, schauten wir uns begeistert das Spiel an. Die Begeisterung verflachte meinerseits nach dem Gegentor. Mathieu rief immer wieder rein: „Go Germany“ und lustigerweise redeten viele Franzosen immer von "la Mannschaft". Im Lokal setzte sich ein deutsches Ehepaar neben uns und wir betrieben smalltalk. Eventuell ergibt sich dank dieses Gespräches eine Übernachtungsmöglichkeit in Koblenz, sollte ich bei meiner Heimreise dort vorbeikommen. Ausserdem war dort noch ein deutschsprachiges Mädchen, welches sich mit einem Freund das Spiel anschaute. Es fühlte sich in diesem Moment sehr nach Heimat an. 

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