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Zu Fuß durch Europa: Tag 6 - 8

Raus aus Paris - Rein in die Armut

Danke Alice

Alice und ich
Alice und ich

Es war ein hartes Stück Arbeit für das deutsche Nationalteam, doch dank des Quäntchen Glücks konnte „la Mannschaft“ das Spiel für sich entscheiden und Mathieu und ich feierten dies mit etwas Bier. Mathieu rief Alice an und wir vereinbarten, uns um Mitternacht bei einer Haltestelle der Straßenbahn zu treffen. Sie hatte noch eine Verabredung für ein Essen mit Freunden, was gut für mich war, da Mathieu und ich so selbst noch etwas Essen konnten. Trotz seines Studentenlebens gab er mir eine Pommes aus.

 

Alice sah fabelhaft in ihrem Kleid aus. Auch sie war 22 Jahre alt und eine Studentin und besuchte gerade Familie und Freunde in Paris. Fünf Monate ist sie noch in Washington, wie es dann weiter geht weiß sie noch nicht genau. Sie machte auf mich einen cleveren Eindruck und sieht die Welt kritisch. Bei ihr Zuhause setzten wir uns an einen Tisch und sie stellte eine Frage nach der anderen. Sinn des Lebens, Liebe, Politik. Es war schwere Kost und während ihr Englisch natürlich besser war, fiel es mir schwer die richtigen Worte zu finden um meine Gedanken wiederzuspiegeln. Zudem war ich sehr müde und ich glaube, ab einem gewissen Zeitpunkt fing ich auch an zu schwafeln und Müll zu reden.

 

Morgens ging es aus den Federn. Ich schlief im Wohnzimmer auf einem ausklappbaren Bett. Alice gab mir ein Schokocroissant aus. Wir trennten uns nach ein paar Metern Fußmarsch durch das Viertel. In ihrer Zeit in Paris wollte sie den Aufenthalt möglichst mit ihren Freunden genießen. 

Danke Claudine und Gilles

Rettung vom Bäcker
Rettung vom Bäcker

Ich verbrachte die nächsten Stunden und um ehrlich zu sein, sogar den ganzen Tag damit vom südlichen Teil Paris zum nördlichen zu gelangen. Ich versuchte in einem Dutzend Dönerläden etwas zu Essen zu bekommen, doch hier, im ärmeren Bereich der Stadt, war dies nicht möglich. Oftmals hörte ich den Tipp, ich solle im Norden nach einem Schlafplatz fragen, da die Menschen hier ärmer sind und demnach hilfsbereiter sind. Auf der Suche nach Essen konnte ich dies nicht bestätigen. Eine Banane sprang heraus. Obdachlose und kranke Menschen tauchten vermehrt auf. Verlassene Häuser und Müll auf den Straßen. Am späten Abend konnte ich mir vom Bäcker, außerhalb von Paris Gebäck und eine Cola sichern. Der Zucker stopfte.

Ich, Claudine und Gilles
Ich, Claudine und Gilles

Auf der Suche nach einem Schlafplatz wurde ich im Gegensatz zum Essen und Mitfahrgelegenheiten schnell fündig. Schon die zweite Person die ich ansprach versicherte mir einen Schlafplatz. Claudine war sehr fürsorglich, weshalb man allzu gut nachvollziehen kann warum sie eine Krankenschwester ist. Gilles englisch war sehr gut und wir konnten beim Abendessen über die Arbeitsbedingungen im Supermarkt reden. Vor der Hauptspeise wurde ordentlich Knabberkram aufegtischt. Verschiedene Sorten Getränke gab es, doch selbstverständlich trank ich den Abend über Bier. Nach der Spaghetti Bolognese gab es noch Joghurt zum Nachtisch. Ich war gesättigt.

 

In Frankreich gibt es eine Serie, bei der ein Mann, ähnlich wie ich, durch verschiedene Länder reist. Er hat ein paar Videokameras und Kleidung bei sich und erkundet so die Welt. Gilles meint, dass er vielleicht aufgrund dieser Serie mich in seinem Haus schlafen lassen hat. Claudine wusch meine Kleidung, weshalb ich guter Dinge war auch weiterhin bei freundlichen Menschen schlafen zu können. Saubere Kleidung ist ein wichtiger Faktor. Nach einem anstrengenden Tag ist die Arbeit für mich noch nicht zuende. Bis zwei Uhr morgens verfasste ich noch Texte und schnitt Videos. Ehe es um halb neun schon wieder hoch ging. Das Frühstück war gut und Claudine packte eine ganze Tüte mit Lebensmitteln für mich zusammen. 

Danke Charly

Ich und Charly
Ich und Charly

Nach dem Frühstück verbrachte ich bis ca 16 Uhr meine Zeit mit trampen. Insgesamt fuhr ich mit drei verschiedenen Autos um von Herblay nach Caen zu gelangen. Die Sonne schien und ich stand jeweils eine ganze Weile, aber vor allem beim letzten Wagen hatte ich Glück. Dieser fuhr über 200 km direkt nach Caen. Zuvor brachte mich Charly an eine gute Position fürs Auto stoppen. Dieser lud mich, nachdem er mich aufgepickt hat, sogar noch zum Kaffee ein. Charly ist ein 20 Jähriger Sozialarbeiter und hat einen erfrischenden Charakter. Er ist lustig und wissbegierig. Charly hat Willensstärke und ihm steht eine gute Zukunft bevor. Nach der ganzen Bauchpinselei bin ich ihm eigentlich nur dankbar, dass er zum ersten Mal jemand mitnahm und mich voran brachte.

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