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Zu Fuß durch Europa: Tag 1 - 2

Aller Anfang ist leicht!

Danke Gianfrancesco

Gianfrancesco und ich
Gianfrancesco und ich

Ich ging eine Straße entlang, welche aus Brüssel herausführte. Nach nur wenigen Metern sah ich einen jungen Mann. Ich fragte ihn nach einer Übernachtungsmöglichkeit, doch er stand kurz vor einer Prüfung für sein Studium und musste lernen. Meine Blase war voll und als ich den Anfang eines Parks sah, wollte ich die Möglichkeit ergreifen, aber eine ältere Frau kam mir entgegen. Ich überlegte erst einfach an ihr vorbeizulaufen, doch dann entschied ich mich sie anzusprechen. Stephanié zeigte mir dann den Weg zu einer Kirche in der Nähe und meinte ich solle hier nach Brother Sebastién fragen, er könnte mir vielleicht

mit einem Schlafplatz helfen.

 

Auf mich allein gestellt ging ich um die Kirche herum. Diese besteht aus mehreren Abschnitten. Unter anderem ist dort eine Art Hostel. Ich stand nun vor einer Tür, doch eine Klingel sah ich nirgends. Aus einem offenem Fenster sprach ein Mann zu mir: „Are you lost?“ und ich antwortete mit: „Yeah!“. Er kam nach draußen und ich fragte ihn nach Brother Sebastién. Dieser war aber nicht anwesend. Der Mann beriet sich mit anderen Männern und dann ließen sie mich im „Hostel“ schlafen, ohne einen Cent dafür bezahlen zu müssen.

 

Es stellte sich heraus das Gianfrancesco ein Mönch ist, genauso wie die anderen Männer und sie alle kamen aus verschiedenen Ländern. Beispielsweise aus dem Kongo,oder aus Kroatien und wie Gianfrancesco, aus Italien. Sie luden mich zum Essen ein und es gab ordentlich Gegrilltes mit Salat und Wein. Zudem guckten wir Fußball. Überraschenderweise kam Brasilien nicht über ein 1:1 gegen die Schweiz hinaus. Während des Spiels unterhielt ich mich mit Gianfrancesco, einer starken Persönlichkeit, der mir gut zuhörte und sogar meinte, dass meine Worte sehr inspirierend auf ihn wirken.

 

Ich finde es wunderbar, wenn ältere Menschen sich von einem jungen Knaben wie mir, die Sichtweise auf das Leben erklären lassen. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl Gianfrancesco würde Überzeugungsarbeit leisten wollen. Wir unterhielten uns über Dinge wie den Sinn des Lebens oder die Art und Weise wie wir in schwierigen Phasen mit der Situation umgehen. Die Lehre, die ich aus unser Konversation für mich mitgenommen habe, ist,  dass es in Ordnung ist auch mal Schwäche zu zeigen.

Notiz von Gianfrancesco am nächsten Morgen
Notiz von Gianfrancesco am nächsten Morgen

Danke Elisa

Elisa und ich
Elisa und ich

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg raus aus Brüssel. Eine Dame mittleren Alters befand sich gerade an der Haustüre, als ich sie nach Essen fragte. Hilfsbereit, wie sie war, gab sie mir Brot, Käse und Obst. Im Ort legte ich mir ein Atlas zu. Kommen wir also zu den Sachen die mir fehlen: Eine Nagelschere, ein Handy, eine Uhr und vielleicht Besteck hätten die Tour vereinfacht. Mir wurden schon mehrere Nummern gegeben, entweder damit ich mich später melden kann um ein Schlafplatz zu bekommen, oder für ein späteres Treffen.

 

Nahe der Autobahn an einer Tankstelle hielt ich meinen Daumen hoch. Charleroi sollte erstmal die grobe Richtung sein, auf dem Weg nach Paris. Nach ein paar Minuten wurde ich mitgenommen und der Mann brachte mich zu einer besseren Stelle. Hier kam, nach noch kürzerem Warten, eine Frau. Sie brachte mich nach reiflicher Überlegung nach Waterloo, zur Kriegsstätte.

 

Ich ging in die Innenstadt und relaxte auf einer Bank. Irgendwann war mir nach aufstehen und ich fragte zwei oder drei Passanten nach einem Schlafplatz. Elisa meinte, sie müsse noch kurz weg, doch in zwei Stunden könnte ich wiederkommen und bei ihr übernachten. Ich nutze die Zeit um an Essen zu gelangen und wurde in einem Imbiss fündig. Es gab Panini mit Wasser. Natürlich hat es vorher bei PizzaHut nicht geklappt.

 

Während ich in der Nähe von Elisas Wohnung ein Buch las, kam sie winkend auf mich zu. Sie machte einen Salat mit allerlei Zutaten. Kippte dieses und schnibbelte jenes hinzu. Kochen war definitiv ihre Leidenschaft. Elisa war super aufgeschlossen, warmherzig und oft am Lachen. Immer wenn ihr ein Wort auf der Zunge lag, aber es ihr auf Englisch nicht einfiel, regte sie sich sehr süß auf. Die 29 jährige Lehrerin zeigte mir noch einmal das Denkmal von Waterloo bei Sonnenuntergang. Wir waren auf der selben Wellenlänge. Scherzten herum und betatschten uns. Ja... wir beide waren ein wenig am flirten, aber nur die Ruhe: Sie hat einen Freund.

 

Tags darauf wollte ich nicht zu früh aufstehen, doch ich hatte keine Uhr. Also schlief ich und schlief und irgendwann ging ich runter und stellte fest - ich hatte fast 12 Stunden geschlafen. Da Elisa weg musste, verabschiedete sie sich und ließ mich in Ruhe frühstücken, duschen und meinen Blog schreiben. Und so verschenkte ich den ganzen Inhalt ihrer Wohnung an spazierende Passanten. Beim Fernseher musste ich einem älteren Herrn helfen, aber auch das ging gut. Elisa hatte schon einmal eine Touristin aufgenommen und diese hat Elisa bestohlen, während sie weg war. Sie wollte diesen Eindruck nicht so stehen lassen und hat mich ebenfalls allein gelassen. Und natürlich... ihre Wohnung ist komplett in Ordnung.

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