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Was bisher geschah 4/4

Danke euch

Der erste Einschnitt lehrte mich dankbar zu sein für das was man hat, denn nichts hält für immer. Der zweite Einschnitt lehrte mich, dass es immer weiter geht und ich mir selbst vertrauen kann. Der dritte Einschnitt lehrte mich alles zu hinterfragen und der folgende Einschnitt ist eher ein Abschnitt, der mich lehrte, dass man sich nicht selbst finden, sondern kreieren muss. 

Vorgeplänkel

Gut möglich, dass es noch eine detaillierte Ausführung meiner Deutschlandtour geben wird, doch zum Anfang: Also da war ich... Ich sah in meiner Ausbildung keinen Sinn mehr. Ich starrte auf meinem Monitor und mir kamen so einige Gedanken. Wie in Part drei beschrieben, war ich in einen Zustand voller Desorientierung. Was war gut und was falsch? „Von Morgens bis Nachmittags arbeiten? Das ist doch Sklaverei! Das ist mein Leben! Ich will was daraus machen und mein Geld nicht nur fürs Wochenende verdienen.“ Es gab viele Gespräche mit Freunden, Familie und dem Arbeitgeber. Letztendlich machte ich meine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann fertig.

 

Ich wollte die Welt sehen und bescheiden wie ich war, wollte ich mit meinem Herkunftsland anfangen: Deutschland. Ich musste sparen und so zog ich wieder zu meinem Vater. Wir versöhnten uns ca. ein Jahr nach meinem Auszug. Ich kaufte die nötigen Utensilien wie Rucksack, gutes Schuhwerk, Kompass, Atlas und organisierte eine Abschiedsfeier. Ich mietete einen Kinosaal in dem meine Freunde mit mir „Into The Wild“ guckten. Mein absoluter Lieblingsfilm. Mit einigen Freunden ging es dann nach Schweden. Dort verbrachten wir den bisher schönsten Urlaub meines Lebens. Der allein wäre ein Artikel wert. Auf der Heimreise ließen sie mich in Heiligenhafen, an der Ostsee, aussteigen und von dort aus ging ich zu Fuß Deutschland erkunden.

Aller Anfang ist leicht

Drei Hürden habe ich mir aufgebaut: 1. kein Geld für Essen ausgeben 2. kein Geld für Übernachtungen ausgeben 3. kein Geld für Verkehrsmittel ausgeben.

Der erste Tag spielt eine wichtige Rolle. Wenn du Essen bekommst, ohne dafür zahlen zu müssen, dann weißt du, dass es funktioniert. Du bist guter Dinge, wenn du irgendwo übernachten kannst, wo es sicher ist. Ich hatte das Glück an meiner ersten Anlaufstation, einer Bäckerei, ein Leib Brot zu bekommen und die erste Frau, die ich angesprochen habe, gab mir eine Unterkunft für die Nacht. Die Erleichterung war groß.

 

Ich möchte niemanden etwas vor machen. Der Rucksack war schwer. Die Sonne verpasste mir einen Sonnenbrand und die Schuhe hielten zwar, doch Blasen hatte ich trotzdem. Nicht nur physisch war es phasenweise eine schmerzhafte Tour. Auch die Psyche musste an so manchen Tagen leiden. Wenn du eine ganze Siedlung durchklingelst, aber niemand dich bei ihm schlafen lässt. Wenn du in der Stadt von Hotel zu Hotel gehst und du schlussendlich im Parkhaus übernachtest. Oder im Regen dein Zelt aufbaust und du erst zu spät eine SMS bekommst, welche dir in einer stürmischen Nacht eine bessere Schlafmöglichkeit anbot. Das alles ist hart! Aber der erste Tag... der war leicht.

An all die Menschen

Ich reiste von Kiel nach Flensburg. Weiter ging es nach Bremen über Hamburg. Leer, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz und Stuttgart folgten. Es kamen mich ein paar Freunde im Süden Deutschlands besuchen und zusammen ging es in den Europapark. Wo wir bei den psychisch schwierigen Momenten waren... die Verabschiedung hier war einer davon. Ab Freiburg trampte ich mehr. Konstanz, München, Nürnberg, Dresden und Berlin waren schnell erreicht. Eine ehemalige Lehrerin von mir traf ich in Rostock. Sie brachte mich außerhalb, an einem Ort, von dem aus ich lief. Also richtig laufen! Ich war Forrest Gump. Irgendwann war ich wieder in der Stadt, in der ich meine erste Übernachtung hatte. Ich hatte den Kreis geschlossen. Zum Ende hin gab ich all das Geld aus, welches ich während der Tour zugesteckt bekommen hatte. Sie gaben es mir für eine angenehme Tour und so hatte ich kein schlechtes Gewissen.

 

Hunderte Menschen waren an meiner Tour beteiligt. Sie gaben mir was ich brauchte. Dank ihnen konnte ich drei Monate durch die Gegend zu ziehen. Das war eine tolle Erfahrung und hiermit möchte ich mich nochmal bedanken. Vielleicht liest es ja tatsächlich jemand, der mich damals unterstützt hat. Am Anfang des Artikels schrieb ich, die Tour lehrte mich, sich selbst zu kreieren. Nun, ich war an vielen Orten. In meinem Kopf und auch im Herzen. Hatte viel nachgedacht. Zu Fuß hat man viel Zeit dafür. Es gab nie den Moment, an dem ich auf einmal aufwachte und sagte: „Der bin ich!“

 

Wie in diesem Zitat geht es im Leben nicht darum sich zu finden. Wie lange will man denn suchen? Vor allem, wenn man jetzt schon anfangen kann sich selbst zu erfinden. In Frankfurt begegnete ich eine Gruppe, die mich zum Essen einlud. Einer von ihnen sagte mir: „Die Pippi Langstrumpf hatte schon recht, sie malt sich die Welt, wie sie ihr gefällt.“  

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