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Was bisher geschah 3/4

Hallo Ich

Schon immer hatte ich irgendwelche Liebesgeschichten am Laufen und so aufgeweckt ich auch bei Freunden oder in der Schule rüber kam, in Sachen Liebe hatte/habe ich Schwierigkeiten mein Verlangen zu äußern. Manche Liebesgeschichten endeten schnell. Andere zogen sich wie ein Kaugummi, der schlussendlich doch im Mülleimer landete. Von vielen Liebesgeschichten wusste mein Gegenpart nicht einmal das es eine gab, doch es gibt eine Liebesgeschichte mit Happy End.

Die Freundin eines Freundes hat eine Freundin

In meiner Wohnung feierte ich gelegentlich Partys. Meistens glühten wir lediglich vor, um dann weiter in die Disco zu ziehen. Gerade überlege ich, ob ich von den Partys berichten soll, bei denen wir Sachen gemacht haben, die man besser nicht veröffentlicht, um den Ruf zu wahren. „Welchen Ruf?“ Stimmt, der Part wird kommen, aber nicht Heute. Es gab einen Abend, ich weiß nicht mehr genau welcher - ich müsste da Anfang zwanzig gewesen sein. Mein Freundeskreis hatte sich zu diesem Zeitpunkt erweitert und an diesem Abend war da die Freundin von meines Kumpels Freundin. Weil ich keine Namen nennen möchte, nennen wir diese verrückte Schönheit einfachheitshalber Freundin dritten Grades.

 

Es war kein wilder Abend. Ganz normales Volltrinken. Sie wurde mitgebracht und ich fand sie schön. Und nicht nur das, Sie hatte eine eigene Art. Das machte Sie in meinen Augen zunehmend attraktiver. Außerdem war die Freundin dritten Grades Selbstbewusst und Intelligent. Viel mehr braucht es bei mir nicht, um mich zu vergucken.

Ich mache es wie immer

Irgendwann in meinem Leben gab es einen Knacks. Ich weiß nicht mehr genau, ob das nach dem Tod meiner Mutter, oder nach dem Einsatz der Zahnspange war, aber seitdem hatte ich keine Freundin mehr – bis Heute. Ein Langzeit-Single lernt mit diesem glücklichen Zustand zu leben. Was wiederum nicht heiß, dass man auf eine Beziehung komplett verzichten möchte und erst recht nicht auf heißen Sex.

 

Später in der Disko tanzten wir als Gruppe auf der Tanzfläche und wie der Zufall es so wollte, hatte ich die Freundin dritten Grades an meiner Hand und wir tanzten zusammen. Was dann passierte wäre auch in jedem Liebesfilm aus Hollywood genauso geschehen. Der berüchtigte Moment bei dem sich beide tief in die Augen sehen. Die Zeit scheint still zu stehen. Die Bewegungen werden in Zeitlupe wahrgenommen. Im Film würden sich beide näherkommen und wenn es keine dumme Liebeskomödie ist, bei der der Protagonist von einem Nebendarsteller angerempelt wird und sein Getränk auf ihrer Bluse verschüttet, dann küssen sie sich innig. Ich handelte wie immer. Ich tat nichts und daraus resultierte das mir bekannte Ergebnis: Nichts.

 

Zuhause angekommen schliefen Freund plus Freundin bei mir auf dem Sofa und die Freundin dritten Grades bei mir im Bett. Auch hier handelte ich mit nichts tun. In vielen Momenten meines Lebens hätte ich „nichts tun“ anwenden sollen. Mal keinen dummen Spruch bringen, keinen schlechten und unpassenden Witz sagen. An diesem Tag hätte ich mein Interesse kundgeben müssen. Nicht wie immer... nicht mit nichts tun. Wusste ich doch, dass diese Methode nicht die Erfolgreichste war. Und so verging der Abend und am nächsten Morgen ging sie. Ich schrieb noch ein paar Tage mit ihr, doch ich realisierte, dass es vorbei war.

Lass los

Wann immer ich mein Traum des Zusammenseins mit einer Frau aufgeben musste, flossen Tränen. Es wurde zu meiner Gewohnheit eine Vorstellung mit Tränen zu verabschieden, doch bei ihr fühlte es sich intensiver an. Mehrere Tage lag ich nur im Bett. Bemitleidete mich selbst und hörte traurige Musik, weil wir Menschen gerne unsere schlechte Stimmung mit passender Musik untermalen, statt uns mit positiven Sachen aus dem Loch herauszuholen.

 

Ich war so traurig, dass meine Chefin mir in die Augen sah und mich nach Hause schickte. Was für eine mitfühlende Chefin. Ab ins Bett und schlafen. Wach werden und traurig sein. Vielleicht weinen. Im Grunde genommen ist das ein sinniger Prozess, den man durchlaufen muss, um darüber hinweg zu kommen. Diesmal hatte ich zudem eine Wut auf mich, weil ich mein „nichts tun“ satt hatte. Ich hasste meine Tatenlosigkeit. Plötzlich stieg mir eine Frage in den Kopf: „Möchtest du gerade unglücklich sein?“ Natürlich nicht! Und ich entschied mich dazu, meine Stimmung zu ändern.

Das war ein bewusster Vorgang. Vorher war ich ein Opfer, der das hinnahm was er sah, erlebte und fühlte. Ab diesem Moment, mit dieser Frage, sah ich mich selbst plötzlich als entscheidenden Faktor meinen Gefühlszustand ändern zu können. Ich war der springende Punkt allen Übels und allen Glücks. Es hat diesen Tiefpunkt gebraucht, um zu erkennen, dass ich die Ursache für meine Wirkungen bin. Ich sah die Farben heller. Urplötzlich wurde ich euphorisch und atmete freier.

 

Ich fing an alles zu hinterfragen. Mein Leben hatte sich auf den Kopf gestellt. Nicht nur im positiven Sinne. Für jemanden der es vorher als völlig normal empfand für sein Geld zu arbeiten, eine Frau zu suchen, sie zu heiraten und Kinder zu machen, für denjenigen kann seine Antwort auf das „Warum?“ gegen den Standard der Gesellschaft stoßen. Das alte Bild von mir, das ich hatte, ließ ich langsam fallen. Ein Freund von mir zeigte mir nur einen Tag nach meiner „Erleuchtung“ Videos von einem Youtuber, welcher sich mit Persönlichkeitsentwicklung befasste. Das fand ich sehr spannend, woraufhin ich mir Bücher kaufte und las. Ich fing an das Leben ein wenig zu verstehen.

 

 

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